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Bom dia
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Uh, gestern Abend im Netz gesehen: Praia FM 94.1. Das ist cool, die gibts jetzt auch als Stream (WMP).
Das lief in der Hauptstadt auf Santiago in jedem Haus, oder Lokal, ganzen Tag immer. Und auf manchen CDs ist da kleiner Werbebanner von hinten drauf. Da läuft wohl bis 7 das Nachtprogramm, denn die sind mit der Zeit 3 h hinterher (guter Link). Danach gibts auch Kuduru zum Frühstück. Und Reklame.

Jedenfalls legen die auch so Funaná auf. Das ist recht schnell und melodisch. Die traditionelle Instrumentierung ist Ferro Gaita, übersetzt Eisen und Akkordeon. Das ist eine Stahlstange als Winkeleisen mit Riffeln drin, über die mit einem Küchenmesser gekratzt wird. Dazu gibts manchmal Keyboard oder Gitarre. Wenn die Band gut ausgestattet ist, auch ein Schlagzeug, das hört sich auch besser an. Denn andereren Falls kommt das vom Drum-Computer.

Was live sehr merkwürdig aussieht. Weil auf einmal geht das Tempo voll los, obwohl sich kein Musiker bewegt hat, außer der Mann, der sich hinter dem Boxenturm versteckt hat. Und am Schluß des Stückes, hört sich das an wie Stecker gezogen. He he. Da war damals so Wahlveranstaltung und da haben die einen LKW-Auflieger quer gestellt auf der Straße und dann mußten da paar Gruppen auftreten.

Funaná war bis zur Unabhängigkeit 1975 von den Portugiesen verboten. (Erst wohnte da, Inselgruppe vor der Küste Senegals, keiner und ab dem 15. Jahrhundert wurde das ein wichtiger Sklavenumschlagsplatz Richtung Amerika.) Der Rhythmus der Funaná hat wohl den Ursprung in dem Geräusch, was entstand, wenn die Sklaven an den Füßen aneinander gekettet in Reihe laufen mußten. Die Hälfte oder zwei Drittel der Einwohner wohnen heute über die ganze Welt verstreut.


 
 jeanluc © 08.06.2005 | Kommentieren 
  
cursor © Mi, 8. Jun. 2005, 13:08 
 
Funaná als Musik gefällt mir sehr gut.
 
 
  
hun © Mi, 8. Jun. 2005, 14:09 
 
Weltläufigkeit heißt für die Kapverdier die Orientierung nach Europa. Und wer in den Verdacht kommt, dem afrikanischen Kontinent näher zu sein, der sich, mit der Stadt Dakar nur 600 Kilometer entfernt, gewissermaßen schon an der Haustür zeigt, wird mit etwas Herablassung behandelt. Santiago, die erstbesiedelte und »afrikanischste« der Inseln, wird von denen, die sich, im Norden liegend, Europa zugehörig fühlen, als kulturell leicht defizitär beargwöhnt.

In dieser Spannung konkurrieren die zwei größten Städte miteinander und könnten kaum unterschiedlicher sein. Die Hauptstadt Praia, im Wildwuchs groß geworden wie ein verstoßenes Kind, und die Hafenstadt Mindelo auf der Insel São Vicente. Aber wie Mindelo daliegt: in eine Bucht geschmiegt von strahlendem Blau, mit dem reflektierenden Licht an den Fassaden restaurierter Kolonialhäuser und mit dem Hafen vor sich, als sei dieser ausschließlich zu seiner Zerstreuung dorthin gebaut, ein Fenster zur Welt, nicht zu groß, sodass kein Sturm sich darin verfangen kann.

Mindelo lässt Praia ganz links liegen, was ist der Regierungssitz gegen jenen Versuch des Savoir-vivre, dem sich das Städtchen verschrieben hat? Hier leben, lieben und debattieren die Dichter, die Künstler und politischen Philosophen, in seltener Anbindung zu den expandierenden Handelshäusern und Banken, und wenn sie gestorben sind, sind ihnen Denkmäler gewiss, Tafeln an den Hauswänden oder eine Straße tragen ihren vollen Namen von der Länge eines Bandwurms. Mindelo hat Logenplätze der kapverdischen Kultur, eine Orientierung nach Lissabon und Paris, die Tradition ist, und kann in der Mischung mit jenen eigenen Wurzeln, die sich dieser Aufgeschlossenheit nicht widersetzen, die kleinen Gassen mit dem Geist urbanen Lebens erfüllen.

Aber das Verdrängte behauptet gleich dahinter seinen Platz. Die Heiterkeit des Städtchens hört in der zweiten und dritten Reihe auf, wo die Gründe für die Hoffnungslosigkeit sich alle gleichen, denn in den Hinterhöfen des Lombo, wo ein Fisch durch sieben Personen geteilt wird, kann nicht jeder ein Dichter sein. Wie ist da eine Brücke zu schlagen? In Mindelo ist das keine politische, sondern eine intellektuelle Frage. - Zeit

Das erzähle ich immer gern. Mindelo, das kennt man von den Weltmusik-Plattencovern, die alten Landungstegruinen, so idyllisch vor der kolonialen in Palmen gesäumten Hafen-Promenade am Ufer gelegen. Dann wollte ich mir das mal ansehen, hab' aber schnell gemerkt, daß das so Art öffentliche Toilette ist. Egal wo ich hinschaute, hockt da einer und verrichtete sein Geschäft auf den praktischen Mauerresten hockend ins Meer oder strullert halt da hin...
 
 
 
 
 
 
 
 
Mehr: Cabo
 
 
 
 
 
 
    
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